Samstag, 17. September 2016

HEIMKINO: BUNRAKU

Was man nicht so alles bei Clipfish findet. Wollte den schon ewig mal schauen, aber irgendwie kam immer was dazwischen.

BUNRAKU

Poster

Irgendwann und irgendwo (aber nicht Japan, obwohl das so von der Architektur am naheliegendsten wäre) in der Zukunft herrscht der Holzfäller (Ron Perlman) mit seiner Killertruppe über die namenlose Stadt. Jedwede Form des Aufstandes wird von ihm und seinen Schergen, angeführt von seinen 9 besten Killern, brutalstens niedergestreckt. Dabei kommen allerlei Schlag- und Stichwaffen in Kombination mit Marial Arts zum Einsatz, den Schusswaffen sind seit dem großen Krieg verboten. Doch eines Tages kommen zwei fremde Männer in die Stadt, einer von ihnen ist ein Herumtreiber und Spieler mit einem starken Haken (Josh Hartnett), und der andere ist ein japanischer Schwertkämpfer (Gackt). In der Kneipe des Barkeepers (Woody Harrelson) treffen sie aufeinander. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellen sie bald fest, dass sie beide das selbe Ziel haben: Nicolai, den Holzfäller, zur Strecke zu bringen.

Achtung!!! Es könnte zu Spoilern kommen!!!

Der Name des Films, BUNRAKU, ist auch der Name des traditionellen japanischen Figurentheaters, bei dem die Kulissen allesamt aus Papier sind. Dies wirkt sich auf das auffälligste Merkmal des Filmes aus. seinen Visuellen Stil. Die Kulissen sind absichtlich künstlich gehalten und wirken wie aus Papier gemacht, egal ob sie Holz, Stein oder Metall darstellen sollen. Neue Landschaften/ Schauplätze werden im Stil von Pop- Up Büchern eingeführt. Diese comichafte und stark künstliche Inszenierung weckt Erinnerungen an (optisch) vergleichbare Filme wie DICK TRACY oder SIN CITY, wobei sich die Illusion, das alles aus Papier besteht, den Film im Vergleich zu den eben genannten Filmen eine eigene optische Note verleiht. Die knallbunte Optik ist einer der Hauptgründe, eigentlich sogar DER Hauptgrund, sich BUNRAKU anzuschauen (was man bei Clipfish übrigends legal und kostenlos tun kann).
Warum? Nun ja, abgesehen von der Optik krankt der Film an einigen Punkten, die zwar im Ansatz richtig sind, aber leider nicht konsequent umgesetzt wurden. Ganz zu Anfang fällt auf, dass sich der Film an Musicals orientiert, ohne jedoch in Gesangseinlagen zu verfallen. Gerade am Anfang (so in den ersten  Minuten) gibt es einiges an Kombination von Bild und Rhytmus zu betrachten, was wirklich Lust auf mehr macht. Doch dann ist auch schon vorbei damit und erst kurz vor Ende wird die Idee wieder aufgegriffen, was wirklich wirklich schade ist, denn so was sieht man nicht oft (hier empfehle ich allen Interessierten Takeshi Kitanos Version von ZATOICHI - DER BLINDE SAMURAI) und hier hat es echt gut gepasst.
DIe Geschichte ist auch nichts neues. Nimmt man den Hintergrund der feuerwaffenfreien Zukunft weg, so bleibt eine einfache, vorhersehbare Rachegeschichte ohne Überaschungen und bar jeder Spannung. Die Charaktere sind oberflächlich und es gibt keine moralischen Grauzonen. Man könnte jetzt sagen, dass es sich ja hier um einen Film handelt, der von seinen seinen optischen Werten, nicht aber von seinen inhaltlichen, lebt, wie zum Beispiel SIN CITY oder SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMOROW. Gut, beide Filme hatten keine oscarreifen Geschichten, aber die Charaktere waren entweder nie einfach nur gut/ böse, sondern hatten Graustufen in ihrer Perönlichkeit, (SIN CITY), oder sie waren einfach so klischeehaft und gleichzeitig symphatisch, dass man sie einfach gern haben musste (SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMOROW). Hier hat man eigentlich zwei mal den selben Charakter auf der Jagd nach Rache. Die Geschichte hinter dem Barkeeper und der, von Demi Moore verkörperten, Lieblingshure des Holzfällers wird nur kurz angerissen und führt eigentlich zu nichts.
Ein weiteres Manko sind die Kämpfe, die neben der Optik eines der Hauptatraktionen des Filmes sein sollten. Die sind zwar nett anzuschauen, aber es fehlt eine gewisse Härte. Es muss ja nicht gleich die Härte von THE RAID übertrumpft werden, aber etwas brutalität hätte hier echt nicht geschadet und hätte die Optik des Filmes nicht gestört.
BUNRAKU ist ein Film mit einer interessanten Optik, der aber zu viele Defizite in den Bereichen Charaktere, Story und Kämpfen aufweist. Das ist betrüblich denn BUNRAKU hätte ein starker Film sein können. Einen Blick sollte man aber schon mal riskieren.

Fazit:
Gute Ideen in einer zu schwachen Umsetzung

4-5/10